Wirtschaftsförderung Deltaland - Diese Zusammenarbeit ist essenziell
Investitionszurückhaltung und Flächenknappheit stellen viele Regionen vor Herausforderungen. Im Interview erläutert Michael Krohn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Deltaland, wie Branchenvielfalt, gezielte Flächenentwicklung und der Austausch auf der Real Estate Arena dazu beitragen, den Wirtschaftsraum zukunftsfähig aufzustellen.
2. Feb. 2026Teilen
Fünf Fragen an...
Michael Krohn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Deltaland
Deltaland begleitet die wirtschaftliche Entwicklung einer ganzen Region. Welche Herausforderungen und Potenziale sehen Sie aktuell für den Wirtschaftsraum Deltaland?
Zu den regionsunabhängigen Herausforderungen zählt zur Zeit natürlich die allgemeine Investitionszurückhaltung. Auf der Habenseite können wir aber verbuchen, dass wir in unserer Region branchenseitig recht breit aufgestellt sind und dadurch eine gewisse Resilienz haben. Als Beispiel möchte ich den gesamten Bereich Sicherheit und Verteidigung nennen, der bei uns in der Region einen starken Footprint hat und in dem auch gerade jetzt kräftig investiert wird. Das beginnt bei bundeswehrnahen Dienstleistungen und reicht bis zu rüstungsseitig nutzbaren Vorprodukten aus der chemischen Industrie.
Die Bau- und Immobilienbranche spielt eine zentrale Rolle für wirtschaftliches Wachstum. Welche Bedeutung haben Flächenentwicklung, Infrastruktur und Immobilienprojekte für die Zukunftsfähigkeit des Deltalands?
Wir haben aktuell kleine und einige mittelgroße Industrie- und Gewerbeflächen von bis zu 12ha Parzellengröße in der Vermarktung, und das auch Autobahn-nah. Es ist jedoch absehbar, dass in wenigen Jahren nicht mehr viel zur Verfügung stehen wird. Fläche ist zwar nicht beliebig reproduzierbar, aber einen kompletten Neuentwicklungs-Stopp wie ihn sich manche vorstellen kann und wird es bei uns nicht geben können. Man kann nicht alles über Brownfield-Entwicklungen lösen, schon gar nicht außerhalb großstädtischer Zentren. Wir werden auch in Zukunft angebotsorientiert einige neue Großflächen brauchen, um Interessenten bedienen zu können, die beispielsweise in den Bereichen Energiewirtschaft, Rüstung und Lebensmittel tätig sind. Da ist nicht jede Region gleich. Gerade durch unsere geographische Lage in Verbindung mit vorhandenen Branchenschwerpunkten ergeben sich spezifische Chancen, die wir nutzen wollen.
Die Real Estate Arena bringt Projektentwickler, Kommunen, Investoren und Wirtschaftsförderungen zusammen. Welche Chancen entstehen für Regionen wie Deltaland durch diesen direkten Austausch und wie wichtig ist diese Zusammenarbeit, um nachhaltige und lebenswerte Standorte zu schaffen?
Diese Zusammenarbeit ist essenziell. Wir achten sehr darauf, dass Flächen im industriell-gewerblichen Bereich nicht nach Gefühl, sondern nach konkreten Marktchancen und -bedarfen entwickelt werden. Dahingehend beraten wir unsere Kommunen, für die wir tätig sind. Dafür ist der regelmäßige Austausch mit Investoren, Projektentwicklern, Maklern und weiteren Multiplikatoren unverzichtbar, wobei zentrale Branchentreffs eine wichtige Rolle spielen. Und genau deshalb sind wir auf der Real Estate Arena.
Sie sind seit der ersten Real Estate Arena als Aussteller dabei. Wie haben Sie die Entwicklung der Messe erlebt und was macht sie für Sie besonders?
Versuche, in Norddeutschland eine größere Veranstaltung rund um Flächen und Immobilien zu etablieren, gab es in den letzten 20 Jahren verschiedene. Da haben wir als regionale Wirtschaftsförderer einiges mitgemacht und schnell auch wieder sein gelassen. Die Real Estate Arena hatte meiner Meinung nach von Beginn an einen anderen und ganz präzise den richtigen Ansatz, nämlich nicht einfach zu versuchen andernorts bewährte Formate auf „norddeutsch“ oder „kleiner“ zu trimmen, sondern die gesamte Wertschöpfungskette rund um Immobilien und Grundstücke in den Blick zu nehmen, bis hin zu Fragen von Energieeffizienz bis Stadtentwicklung. Nach den Jahren des Hochlaufs finden wir, dass die Real Estate Arena mit ihrem besonderen Fokus auf B- und C-Städte nicht nur klein aber fein (das ist als Kompliment gemeint), sondern wirklich richtig gut ist. Für uns ist sie zudem geographisch ein Heimspiel – und dadurch vergleichsweise einfach zu nutzen – und nichtsdestoweniger hochattraktiv. Wesentliche Player der deutschen Immobilienszene treffen sich in Hannover, und das auch zeitlich im sinnvollen Wechselspiel zu anderen, teils größeren Events die wir als Wirtschaftsförderer bespielen.
Mit Blick auf die Zukunft: Welche Impulse möchten Sie als Aussteller auf der Real Estate Arena setzen, und was sollten Besucherinnen und Besucher von Ihrem Auftritt mitnehmen?
Wir stellen heraus, dass es gerade im Wettbewerb größerer Industrie- und Gewerbestandorte keinen klassischen Gegensatz zwischen Stadt und Land gibt. Das Gesamtpaket aus Flächen- und Arbeitskräfteverfügbarkeit sowie hohem Wohn- und Freizeitwert muss stimmen. Die althergebrachten Grenzen zwischen verdichteten und eher ländlichen Räumen verschwimmen in unserer Region zwischen den Zentren ohnehin ein Stück weit, und das ist gut so. Ich persönlich habe im Übrigen nie wirklich verstanden, warum Unternehmen bei Standortentscheidungen eher auf Kilometerdistanzen statt auf Fahrminuten schauen. Die Verkehrsachsen A7 und A27 sind für uns ein wichtiges Pfund. Sie sind von Walsrode aus in 30 Minuten am Flughafen Hannover oder am Bremer Kreuz. Selbst zum Hamburger Hafen kommen Sie von uns aus schneller als aus so manchem Hamburger Stadtrandbereich nördlich der Elbe. Was nützen 30 oder 40 Kilometer weniger Wegstrecke, wenn Ihre Leute jeden Tag zweimal richtig dick im Stau stehen? Übrigens: Aus dem gleichen Grund kann unsere Wirtschaftsregion sogar als Arbeitsort für Bewohner aus dem Nordraum von Hannover oder dem Südraum von Hamburg und Bremen interessant sein, denn man kann antizyklisch zum klassischen Berufsverkehr hierher pendeln. Auch solche Überlegungen können standortsuchende Unternehmen mit einfließen lassen, Stichwort Perspektivwechsel. Und last not least: Sowohl Wohnbau- als auch Industrie- und Gewerbeland sind in unserer Region dann eben doch erkennbar erschwinglicher als direkt im Verdichtungsraum.
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