Fünf Fragen an...

...Steffen Thiel, Vertrieb Bau und Immobilien - Region Nord bei DEKRA

DEKRA blickt auf eine über 100-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Wenn Sie auf diese lange Geschichte schauen: Wie hat sich der Blick auf Sicherheit, Qualität und Technik in Gebäuden im Laufe der Zeit verändert?
Der Blick auf Gebäude ist heute deutlich umfassender als früher. Lange Zeit stand vor allem im Vordergrund, ob ein Bauwerk baulich funktioniert und sicher nutzbar ist. Heute wird Qualität wesentlich breiter verstanden: Gebäude müssen nicht nur standsicher und funktional sein, sondern auch technisch zuverlässig, im Betrieb beherrschbar, nachvollziehbar dokumentiert und langfristig werthaltig.
Aus Sicht von DEKRA zeigt sich darin ein grundlegender Wandel: Gebäude werden heute viel stärker als Gesamtsysteme betrachtet. Nicht nur die bauliche Ausführung ist entscheidend, sondern auch das Zusammenspiel von Technik, Nutzung, Betrieb, Qualität und Nachhaltigkeit in der Umsetzung. Gerade bei größeren Immobilienprojekten ist dieser ganzheitliche Blick inzwischen unverzichtbar geworden.

Sicherheit und Wirtschaftlichkeit sind zentrale Faktoren für Immobilien. Welche Rolle spielen unabhängige Prüfungen und Gutachten dabei aus Ihrer Sicht für langfristig funktionierende Gebäude?
Unabhängige Prüfungen und Gutachten sind vor allem dann wichtig, wenn technische Sachverhalte belastbar eingeordnet werden müssen. Sie helfen dabei, Mängel, Qualitätsabweichungen oder offene Punkte sachlich zu bewerten und schaffen damit eine Grundlage für fundierte Entscheidungen.
Besonders wertvoll ist das in Konstellationen mit mehreren Beteiligten. Hier kann DEKRA als allparteilicher Gutachter einen echten Beitrag leisten, weil technische Fragestellungen objektiv eingeordnet und nachvollziehbar dokumentiert werden. Das kann helfen, Konflikte zwischen den Beteiligten zu reduzieren, Übergaben besser vorzubereiten und strittige Themen frühzeitig zu versachlichen. Für langfristig funktionierende Gebäude ist genau diese Verlässlichkeit ein wesentlicher Faktor.

Gebäude werden technisch immer komplexer – von Aufzügen über Gebäudetechnik bis hin zu Ladeinfrastruktur für E-Mobilität. Wo sehen Sie aktuell den größten Bedarf an Prüfung und Qualitätssicherung?
Den größten Bedarf sehen wir aktuell an den Schnittstellen. Einzelne Fachplanungen oder Gewerke sind für sich genommen oft stimmig. In der Praxis entstehen Probleme aber häufig dort, wo Baukonstruktion, technische Gebäudeausrüstung, Elektrotechnik, Brandschutz und spätere Nutzung zusammenkommen.
Gerade an diesen Übergängen zeigt sich, ob ein Projekt im Ergebnis wirklich funktioniert. Hier treten Abstimmungsfehler, Ausführungsdefizite oder Lücken in der Dokumentation oft besonders deutlich zutage. Genau dort setzt DEKRA mit baubegleitenden Prüfungen, technischen Bewertungen, Abnahmen und der Einordnung konkreter Mängel- und Schnittstellenthemen an.

Die Real Estate Arena bringt Akteure aus Planung, Entwicklung, Bau und Betrieb zusammen. Welche Bedeutung hat dieser Austausch für ein Unternehmen wie DEKRA, das Immobilien über ihren gesamten Lebenszyklus begleitet?
Für uns ist dieser Austausch besonders wertvoll, weil auf der Real Estate Arena genau die Akteure zusammenkommen, die Immobilienprojekte in der Praxis prägen. Dort lassen sich Anforderungen aus Planung, Entwicklung, Bau und Betrieb direkt zusammenführen.
Für unseren DEKRA Bereich Bau & Immobilien ist das wichtig, weil unsere Dienstleistungen sehr nah an den realen Herausforderungen im Projektalltag ansetzen. Wir erleben in Projekten sehr konkret, wo Qualitätsfragen entstehen, wo technische Themen in der Umsetzung problematisch werden oder wo Übergaben und Dokumentation besondere Aufmerksamkeit brauchen. Der Austausch auf der Messe hilft uns, diese Praxiserfahrungen mit den Erwartungen des Marktes abzugleichen und unsere Leistungen noch gezielter an den tatsächlichen Bedarf auszurichten.

Mit Blick auf die Zukunft: Welche Impulse möchten Sie als Aussteller auf der Real Estate Arena setzen – und welche Entwicklungen werden die Sicherheit und Qualität von Gebäuden in den kommenden Jahren besonders prägen?

Wir möchten vor allem den Impuls setzen, dass technische Qualität künftig noch früher und noch strukturierter in Projekte eingebunden werden sollte. Je komplexer Bauvorhaben werden, desto wichtiger wird es, kritische Punkte nicht erst am Ende zu erkennen, sondern bereits im Projektverlauf sauber einzuordnen.
Gleichzeitig sehen wir einen steigenden Bedarf an unabhängigen Kontrollen aus dem Umfeld von Banken, Finanzierern und institutionellen Investoren. Dort wächst das Interesse, Projektstände, Budgetentwicklungen, Terminlagen und übergeordnete Risiken technischer Großprojekte nachvollziehbar bewerten zu lassen. Genau in dieser Verbindung aus technischer Einordnung, nachvollziehbarer Projektbewertung und klar abgegrenzten Unterstützungsleistungen sehen wir ein wichtiges Zukunftsfeld für unseren Bereich Bau & Immobilien bei DEKRA.

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