Die Lücke zwischen politischem Anspruch und betrieblicher Realität
Zwischen regulatorischem Druck, fehlender Planungssicherheit und wachsender technologischer Dynamik befindet sich Immobilienwirtschaft im Wandel. Im Interview spricht die Bundesgeschäftsführerin des Immobilienverband Deutschland (IVD) Carolin Hegenbarth über die Themen, die Makler*innen, Verwalter*innen und Sachverständige aktuell besonders bewegen.
23. März 2026Teilen
5 Fragen an…
Carolin Hegenbarth, Bundesgeschäftsführerin des Immobilienverbandes Deutschland IVD
Der IVD vertritt die Immobilienwirtschaft nah an der Praxis. Welche Themen und Herausforderungen bewegen Makler*innen, Verwalter*innen und Sachverständige aktuell am stärksten?
Was alle drei Berufsgruppen derzeit besonders beschäftigt, ist die mangelnde Planungssicherheit. Ein gutes Beispiel dafür ist das Gebäudeenergiegesetz, das ab Sommer als Gebäudemodernisierungsgesetz neu gefasst werden soll. Es ist grundsätzlich positiv, wenn künftig mehr Freiheiten bei der Wahl der Heizungstechnik möglich werden. Solange aber nicht klar ist, welche Maßnahmen zur Senkung von Emissionen tatsächlich zulässig sein werden, entsteht in der Praxis vor allem eines: Unsicherheit. Das wirkt wie ein Stopp-Schild für viele Entscheidungen. Käufe, Aufträge und Sanierungen werden aufgeschoben – in der Hoffnung, dass es mit dem neuen Gesetz einfacher und wirtschaftlicher wird, ohne dass es dafür schon verlässliche Grundlagen gibt.
Die Immobilienbranche steht unter starkem regulatorischem und wirtschaftlichem Druck. Wo sehen Sie aktuell die größte Kluft zwischen politischen Rahmenbedingungen und der Realität in der Praxis?
Die größte Kluft liegt dort, wo politische Regulierung auf die wirtschaftliche Realität von Wohnungsbau und Vermietung trifft. Der Bauherr von heute ist der Vermieter von morgen – dieser Zusammenhang sollte politische Entscheidungen eigentlich leiten. Stattdessen entsteht häufig der Eindruck, dass mit immer schärferer Regulatorik Handlungsfähigkeit demonstriert werden soll, während die eigentliche Lösung ausgebremst wird: mehr Angebot durch Neubau und Investitionen in den Bestand.
Welche Kompetenzen werden für Immobilienprofis in den nächsten Jahren entscheidend sein, um relevant zu bleiben?
Entscheidend wird sein, digitale Tools und Künstliche Intelligenz souverän zu nutzen. Wer diese Klaviatur beherrscht, wird auch in Zukunft relevant bleiben. KI kann heute schon recherchieren, vergleichen, kalkulieren und Prozesse koordinieren. Das schafft Freiräume für das, was die Immobilienwirtschaft im Kern ausmacht: das erfolgreiche People Business.
Denn auch in Zukunft geht es darum, Menschen zusammenzubringen, Interessen auszugleichen, Vertrauen aufzubauen und Verträge zum Abschluss zu bringen. Technologie wird diese menschlichen Fähigkeiten nicht ersetzen, sondern ihren Wert noch deutlicher machen. Wer digitale Effizienz mit persönlicher Kompetenz verbindet, wird sich im Markt behaupten.
Die Real Estate Arena bringt Akteure aus Politik, Wirtschaft und Immobilienpraxis zusammen. Welche Bedeutung hat die Messe aus Ihrer Sicht für den Dialog innerhalb der Branche und darüber hinaus?
Es ist immer besser, miteinander zu reden als übereinander. Genau darin liegt die besondere Stärke der Real Estate Arena. Die Messe schafft eine Bühne, auf der Politik, Praxis und Innovation direkt aufeinandertreffen. Der Name ist dabei Programm: Arena bedeutet Austausch, Sichtbarkeit und Dialog mitten im Geschehen.
Gerade in einer Zeit, in der die Immobilienwirtschaft unter hohem Druck steht, ist dieser direkte Austausch besonders wichtig. Wenn politische Entscheider auf praktische Erfahrung treffen und Innovationen nicht abstrakt, sondern konkret erlebbar werden, entsteht echter Mehrwert.
Mit Blick nach vorn: Welche Impulse möchte der IVD auf der Real Estate Arena setzen – und was sollen Besucherinnen und Besucher vom Austausch mit dem Verband mitnehmen?
Der IVD-Stand auf der Real Estate Arena ist ein Schaufenster der Kompetenzen, die vom IVD vertreten werden: Makler, Verwalter, Sachverständige, Kooperationspartner. Mitgliedsunternehmen aus diesen Bereichen präsentieren sich dort unter dem gemeinsamen Dach des IVD und zeigen, wie stark die Branche im Verband vernetzt ist.
Die Stand-Besucher sollen vor allem mitnehmen, dass die Immobilienwirtschaft am stärksten ist, wenn Kompetenzen gebündelt, Erfahrungen geteilt und Interessen gemeinsam vertreten werden. Genau dafür steht der IVD – und genau das soll auch auf der Real Estate Arena spürbar werden: Besser. Gemeinsam. Machen.
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