Wenn die Grundlage nicht stimmt, skaliert sich der Fehler
Warum verlässliche Daten für Immobilienentscheidungen immer wichtiger werden, erklärt Natascha Priemel, Director of Sales bei North Data. Im Interview spricht sie darüber, wie Transparenz, intelligente Analytik und kontinuierliches Monitoring Investor*innen, Projektentwickler und Kommunen helfen, Risiken früher zu erkennen und bessere Entscheidungen zu treffen.
19. Mai 2026Teilen
Fünf Fragen an...
...Natascha Priemel, Director of Sales, North Data
North Data steht für transparente Unternehmens- und Wirtschaftsdaten. Welche Rolle spielen verlässliche Daten heute bei Standort- und Investitionsentscheidungen?
Ohne verlässliche Daten steigt das Risiko für Fehlentscheidungen enorm. Die Folgen zeigen sich oft erst, wenn sie schon Kosten verursachen.
Wir haben heute Zugang zu mehr Daten als je zuvor. Genau darin liegt aber auch die Herausforderung. Es geht nicht mehr nur darum, Informationen zu finden, sondern zu erkennen, welchen man vertrauen kann und wie sie im Zusammenhang stehen. Viele Daten liegen verstreut, sind unterschiedlich aufgebaut und nicht direkt vergleichbar. Gleichzeitig werden sie zunehmend automatisiert ausgewertet und Entscheidungen immer schneller getroffen. Mit der falschen Datengrundlage werden Risiken schnell unterschätzt oder einfach übersehen.
North Data setzt genau da an. Wir führen offizielle Registerdaten zusammen und bereiten sie so auf, dass man direkt damit arbeiten kann. Statt sich durch verschiedene Quellen zu kämpfen, sieht man auf einen Blick, wie ein Unternehmen aufgestellt ist, wie es sich entwickelt und welche Kennzahlen wirklich relevant sind.
Doch Risiken liegen selten nur im direkten Vertragspartner. Wer ein Unternehmen isoliert betrachtet, übersieht Beteiligungen, Abhängigkeiten und wirtschaftliche Verflechtungen. Wir machen diese Zusammenhänge sichtbar und zeigen, welche Netzwerke hinter einem Projekt stehen und wie Unternehmen und Personen miteinander verbunden sind.
Am Ende geht es nicht darum, wie viele Daten zur Verfügung stehen, sondern ob man sie richtig versteht. Genau das entscheidet darüber, ob Risiken früh sichtbar werden oder erst, wenn sie bereits Auswirkungen haben.
Die Immobilienbranche wird zunehmend datengetrieben. Wo sehen Sie aktuell den größten Mehrwert durch intelligente Datennutzung?
Intelligente Datennutzung beginnt da, wo Daten nicht nur einmal erhoben, sondern im Alltag genutzt werden. Ziel ist es, vorhandene Daten so zu nutzen, dass der Arbeitsalltag einfacher, schneller und besser wird.
Due Diligence ist ein gutes Beispiel dafür. Vor einem Investment wird gründlich geprüft, wie ein Unternehmen aufgestellt ist, wer dahinter steht und wie stabil die wirtschaftliche Situation ist. Nach der aufwändigen Analyse hat man erst mal Sicherheit. Das Problem ist aber: Die Daten zeigen nur eine Momentaufnahme.
In der Realität verändern sich die Strukturen aber ständig. Eigentümer:innen wechseln, Beteiligungen verschieben sich, finanzielle Lagen verändern sich. Mieter:innen können heute stabil wirken und wenige Monate später zahlungsunfähig werden. Und Projektpartner:innen können neue Verflechtungen eingehen, die das Risiko verändern.
Deshalb geht der Trend klar in Richtung Monitoring. Ziel ist es, auf dem Laufenden zu bleiben, ohne sich aktiv darum kümmern zu müssen. Bei uns funktioniert das zum Beispiel über die Watchlist. Man wählt relevante Akteure aus und wird per Mail informiert, wenn es dort neue Entwicklungen gibt.
Genau so sieht intelligente Datennutzung in der Praxis aus. Daten werden nicht nur erhoben, sondern so eingesetzt, dass sie im Alltag unterstützen und Entscheidungen erleichtern.
Wie können Investoren, Projektentwickler und Kommunen von mehr Transparenz und Analytik profitieren?
Der größte Vorteil ist mehr Sicherheit und Vertrauen. Statt Annahmen auf Basis lückenhafter Daten treffen zu müssen, entsteht ein Gesamtbild, das man direkt versteht. Das macht es deutlich einfacher, Dinge einzuordnen und zu bewerten.
Investor:innen können Risiken und Chancen präziser einschätzen, weil sie nicht nur einzelne Unternehmen betrachten, sondern die Strukturen dahinter. Sie können herausfinden, wer die wirtschaftlich Berechtigten sind, wie Beteiligungen aufgebaut sind und ob es Abhängigkeiten innerhalb einer Gruppe gibt. Besonders bei komplexeren oder internationalen Setups machen diese Infos oft den entscheidenden Unterschied.
In der Projektentwicklung zeigt sich der Effekt im Alltag. Man erkennt schneller, wer in einem Markt aktiv ist, welche Akteure häufig zusammenarbeiten und welche Strukturen sich wiederholen. Das hilft nicht nur bei der Einschätzung von Partner:innen, sondern auch bei der Identifikation von Chancen und Risiken in frühen Projektphasen. Entscheidungen lassen sich schneller treffen, ohne an Qualität zu verlieren.
Kommunen profitieren am meisten von mehr Transparenz. Entscheidungen haben oft langfristige Auswirkungen und stehen unter öffentlicher Beobachtung. Transparente Strukturen helfen, nachvollziehbar zu machen, wer hinter einem Projekt steht, wie es finanziert ist und welche Interessen eine Rolle spielen. Das schafft eine bessere Grundlage für Kommunikation und öffentliches Vertrauen.
Transparenz ist aber für jede:n nicht nur ein „Nice-to-have“, sondern die Voraussetzung für funktionierende Märkte und fundierte Entscheidungen. Daten sind heute an vielen Stellen vorhanden. Der Unterschied entsteht dort, wo sie verständlich werden. Hier kommt Analytik ins Spiel, denn erst wenn Daten eingeordnet werden, entsteht ein belastbares Bild, auf dessen Basis Entscheidungen getroffen werden können.
Warum ist der Austausch auf einer Plattform wie der Real Estate Arena für ein datenorientiertes Unternehmen wie North Data besonders wichtig?
Fachmessen bleiben oft in ihrer eigenen Welt. Man spricht mit ähnlichen Unternehmen, bewegt sich in vertrauten Themen und übersieht dabei schnell Lösungen, die eigentlich genau passen würden, auch wenn sie nicht speziell für die Branche gebaut sind.
Auch im Real Estate werden Prozesse immer datengetriebener und die Suche nach verlässlichen Daten immer größer. Unsere Daten stammen aus den offiziellen Registern, wir legen alle Quellen transparent offen und unser Fokus ist dabei immer derselbe: Recherche einfacher machen. Informationen so aufbereiten, dass man sie direkt versteht. Und Zusammenhänge sichtbar machen, ohne dass man sich durch tausend Dokumente arbeiten muss.
Die Real Estate Arena ist für uns deshalb vor allem eine Gelegenheit, genau das erlebbar zu machen. An unserem Stand können Besucher:innen direkt in Unternehmensstrukturen eintauchen und das recherchieren, was sie wirklich interessiert. Wir sind dabei, schauen gemeinsam drauf und geben Tipps, wie man schneller zu einem klaren Bild kommt.
Der Austausch funktioniert dabei in beide Richtungen. Wir sehen, wie in der Branche gearbeitet wird, und können gleichzeitig zeigen, wie sich komplexe Strukturen deutlich einfacher verstehen lassen und wie man ohne großen Aufwand zu belastbaren Einschätzungen kommt.
Mit Blick auf die Zukunft: Welche Entwicklungen werden die datenbasierte Entscheidungsfindung in der Immobilienwirtschaft nachhaltig verändern und was möchten Sie den Besucherinnen und Besuchern mitgeben?
Noch nie war es so einfach, an Daten zu kommen und sie auszuwerten. Gleichzeitig wird es immer wichtiger, zu verstehen, welchen Daten man überhaupt vertrauen kann.
Strukturen werden komplexer. Unternehmen sind stärker vernetzt, Beteiligungen laufen über mehrere Ebenen und oft über Ländergrenzen hinweg. Wer diese Zusammenhänge nicht wirklich durchdringt, übersieht schnell Risiken oder bewertet Projekte zu oberflächlich.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz. Themen wie Compliance, Geldwäscheprävention oder ESG sorgen dafür, dass Entscheidungen nicht nur getroffen, sondern auch nachvollziehbar begründet werden müssen. Dafür braucht es Daten, die belastbar sind und deren Herkunft klar ist.
Und natürlich spielt KI eine Rolle. Sie hilft, große Datenmengen schneller auszuwerten und Muster zu erkennen. Gleichzeitig erhöht sie aber auch das Risiko, dass falsche oder unvollständige Daten einfach weiterverarbeitet werden. Wenn die Grundlage nicht stimmt, skaliert sich der Fehler.
Am Ende hängt die Qualität von Entscheidungen immer stärker von der Fähigkeit ab, Daten richtig zu lesen und einzuordnen. Wer sich mit Daten auseinandersetzt, ihre Herkunft versteht und Strukturen wirklich durchblickt, erkennt Risiken früher und trifft die besseren Entscheidungen. Das wird in Zukunft die entscheidende Kompetenz sein.
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